Gedanken zum Tage

Freitag, März 22, 2002


*** Mal wieder etwas positives ***



Endlich einmal wieder gute Nachrichten. Der Bundesrat beschließt mit hauchdünner Mehrheit das sogenannte Zuwanderungsgesetz.

Soll die CDU sich doch wegen des vermeintlichen Verfassungsbruchs das Maul zerreissen, es wird
hoffentlich nichts nützen. Frau Limbach wird es ihnen hoffentlich sagen.

Und Herr Schönbohm, soll er doch mit der brandenburgischen CDU in die Opposition gehen, es wird ihm niemand positiv zurechnen, dieses wichtige
Gesetz blockiert zu haben, und mit Spendengeldern der Industrie für die CDU kann er dann wohl auch kaum mehr rechnen. Recht so! Man zeige der CDU endlich, daß mit populistischer Stammtischpolitik keine Mehrheiten zu bekommen und erst Recht keine Regierung zu machen sind.


Montag, Februar 04, 2002


+++ Ein schwarzes Wochenende für Frieden und Demokratie... +++



Ein tragisches Schauspiel in München am Wochenende:
auf der "Sicherheitskonferenz" kapitulieren die
europäischen Verteidigungsminister vor den Machtgelüsten der
amerikanischen Politiker, ja sie mahnen sogar eine stärkere
Berücksichtigung an. Nur selten vernimmt man dabei die Stimme
der Vernunft, sehr oft dagegen Rachegelüste.
Tragisch, daß Rudolf Scharping, ein deutscher Verteidigungsminister
der SPD, offenbar nicht einmal mehr am Rande den Frieden als Ziel der Politik
in Erinnerung ruft. Geradezu niemand scheint über die Ursachen
von Gewalt, Frustration und Armut nachzudenken. Nichts als Kotau.
Man wendet sich schaudernd ab.



Dabei verlangt nun niemand, in den Chor der Oberlehrer einzustimmen,
die jede Benennung eines jetzigen "Eine-Welt-Ladens" mit dem alten Titel
"3.Welt-Laden" als Verstoß gegen die Political Correctness
brandmarken. (Eine widersinnige Dogmatik auf der Gegenseite, genauso
bedenklich wie die beinahe heilige bedingungslose Solidarität mit
Amerika auf der anderen Seite.)

Sinnvoll wäre aber immerhin, über die Folgen der total deregulierten
Globalisierung nachzudenken, sich die Situation der Menschen in den betroffenen
Ländern klar zu machen. Menschen, die für unseren Wohlstand viel zu
oft mit ihrem Glück und ihrer Gesundheit und dem Glück und der
Gesundheit ihrer Kinder bezahlen müssen. Wer Carl Zuckmayer's
"Hauptmann von Köpenick" anrührend findet, wie kann
der nur über die Situation der Menschen in den heutigen
Schwellenländern einfach hinweggehen?



Edmund Stoiber verteidigt das Demonstrationsverbot - damit steht er als
CDU/CSU-Kanzlerkandidat in guter Tradition zum letzten Unions-Kanzler Kohl,
der Demonstranten einst als "Mob der Strasse" bezeichnete.

Es habe zuverlässige Erkenntnisse gegeben, dass die Kundgebungen zu
Gewalttätigkeiten missbraucht werden sollten, sagte Stoiber in München.

Die Frage sei gestattet: Wo wurde an diesem Wochenende in München
wohl mehr Gewalt vorbereitet, geplant, gutgeheissen: im Saal, oder auf der Straße?




Freitag, Februar 01, 2002


+++ Was haben die sich bloß dabei gedacht... +++


Als ich vorgestern die Berichte über den Bundestagsbeschluß
zum Import embryonaler Stammzellen hörte, da war ich über die
Argumentation der Befürworter eines freien Imports, und auch der Anhaenger
des Kompromossvorschlags gleichermassen bestuerzt.

Die schlimmsten Befuerchtungen schien mir der frühere FDP-Vorsitzende
Wolfgang Gerhard zu bestätigen, der ganz offen die These vertrat, dass im
Sinne der Forschung alles erlaubt sein muss, sonst wäre die
deutsche Forschung im internationalen Vergleich nicht konkurenzfähig.


Sehr negativ fand ich auch die Argumentation des früheren CDU-Generalsekretärs
Peter Hinze (seines Zeichens evangelischer Theologe), der der moralischen
Verantwortung gegenüber Kranken, fuer die dann vermeintlich neue Heilungswege
gefunden werden sollen, Vorrang gegenüber dem Lebensrecht von Embryonen
zugestand... In meinen Augen ein schrecklicher Irrtum, kaum mehr als der alte
ur-deutsche Spruch "Der Zweck heiligt die Mittel".



(Ich hoffe, ich habe die beiden genannte MdBs nicht falsch verstanden,
und tue ihnen unrecht. Falls die Fernsehberichterstattung da Zitate aus dem
Zusammenhang gerissen haben sollte bitte ich um Nachsicht.)



Ich denke, aus den folgenden Gründen ist es falsch, die Forschung mit
embryonalen Stammzellen zu erlauben:




  • Wer auch immer die Forschung mit embryonalen Stammzellen
    erlauben will, muß sich überlegen, dass er der Frage nicht
    ausweichen kann, wann menschliches Leben beginnt, also ob embryonale
    Stammzellen menschliches Leben darstellen. Wer das mit "ja" beantwortet
    muss dann wiederum erklären, warum sie dennoch nicht schützenswert
    sind. Und wer das vorige verneint muss beantworten, warum diese Zellen
    kein Leben darstellen, obwohl sie als eigenständige "Biomasse"
    agieren können, sich vermehren können, usw.



  • Wenn man den Import embryonaler Stammzellen für
    Forschungszwecke erlauben will, dann muss man weiterhin klarstellen,
    warum sich diese Erlaubnis (a) nur auf importiertes Zellmaterial bezieht,
    und (b) ob der Zweck hier nicht die Mittel rechtfertigen soll.
    Das letztere ist in deutschem Recht schlicht unmoeglich. Und auch eine
    Identifikation des Zellmaterials ist ja nur mengenmaessig moeglich. Ein
    (illegaler) Austausch gegen im Inland produziertes Zellmaterial ist ebenso
    wenig nachweisbar, wie überhaupt die Eigenschaft des "übrig
    geblieben seins" vor dem Import sachlich angemessen verifiziert werden kann
    (gegenueber der zielgerichten Produktion und Toetung von Embryonen fuer
    Forschungszwecke).



  • Außerdem muss man sehen, daß die Aussicht auf moegliche
    neue Heilungschancen durch Forschungsergebnisse ein pures Konjunktiv
    darstellen. Und es ist meiner Kenntnis nach nicht zu rechtfertigen,
    die Grundrechte der menschlichen Embryonen einzuschraenken,
    nur um einen hoechst unsicheren Vorteil fuer andere Mensche zu erlangen.
    Was bitte soll geschehen, wenn sich dieser Erfolg nicht einstellt? Wer soll
    den Erfolg eigentlich messen? Es steht zu befuerchten, dass hier wiederum
    Fachleute einander die Rechtfertigung zusprechen, genau wie seinerzeit
    in Physiker Sachen Kernkraft oder Ärzte zum Thema Gesundheitsreform
    handelten. Ein ausgesprochen undemokratischer Vorgang.



Also, ich bin für alle Meinungen offen, wer mir schreiben
mag, die Adresse steht unten...



+++ heute neu +++


Also heute habe ich dieses neue blog erzeugt.
Weil ich Denglisch überhaupt nicht mag werde ich es lieber
als "Tagebuch" bezeichnen. ;)


Hier ist auch meine E-Mail Adresse.


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